8 Wege, wie du das Selbstwertgefühl deines Kindes stärken kannst

von | 22. Mai 2020

Nachdem in den letzten zwei Monaten das Leben fast stillgelegt war, kehrt in kleinen Schritten das „normale“ Leben wieder zurück. Doch es wird nicht das vertraute Leben sein, in dem wir uns, trotz der vielen Probleme, die es auch vor Corona schon gab, behaglich eingerichtet hatten.

Es hängt jetzt von uns ab, wie es weiter gehen wird. Dafür brauchen wir viel Mut, Kreativität und die Bereitschaft, genau hinzuschauen, welchen Teil wir zu einer lebenswerten Zukunft beitragen können. Dazu gehört auch, dass wir es unseren Kinder ermöglichen, glücklich aufzuwachsen und ein starkes Selbstwertgefühl zu entwickeln. Denn das brauchen sie, um die Aufgaben zu bewältigen, die auf sie zu kommen.

Ein starkes Selbstwertgefühl ist bei Kindern und Jugendlichen eine Grundvoraussetzung für eine positive Entwicklung. Menschen mit einem starken Selbstwertgfühl fühlen sich wohl in ihrer Haut und wissen, dass sie in Ordnung sind, so wie sie gerade sind. Jesper Juul, ein dänischer Pädagoge und Bestsellerautor, beschreibt das Selbstwertgefühl als eine Art innere Säule oder Kern. Es geht um das Gefühl, wertvoll zu sein, ohne etwas leisten zu müssen.

Schließe mal für einen Moment die Augen und spüre in dich hinein, wie es wäre, wertvoll zu sein, ohne etwas dafür leisten zu müssen. Wie fühlt sich das an? Und jetzt denke an deinen Alltag. Wie sieht es dort mit diesem Gefühl aus? Fühlst du dich richtig und wertvoll, unabhängig davon, was du leistest? Oder strengst du dich an, um alles richtig zu machen?

Der tiefste Wunsch eines Kindes ist es, gesehen und geliebt zu werden. Kinder entwickeln ein starkes Selbstwertgefühl, wenn wir Erwachsenen sie annehmen und spüren lassen, dass ihre Einzigartigkeit sie liebenswert macht. Das heißt konkret, das wir ihre Gefühle, Bedürfnisse, Ideen und Handlungen offen und interessiert wahrnehmen, anerkennen und spiegeln.

Ich werde jetzt 8 Wege beschreiben, wie du das Selbstwertgefühl deines Kindes stärken kannst.

1. Schenke deinem Kind liebevolle Aufmerksamkeit

Bruno Ganterbein, ein schweizer Familienberater, sagt: “Dein Kind erlebt seinen Wert dadurch, dass es deine Zeit und deine Aufmerksamkeit wert ist.” Dabei geht es nicht darum, etwas zu unternehmen oder zu sprechen, sondern nur darum, neugierig auf dein Kind zu sein und es präsent und liebevoll wahrzunehmen.

2. Stehe zu deinen Bedürfnissen, Grenzen und Werten

Stehen wir unseren Kindern und Partnern gegenüber zu unseren Werten, Bedürfnissen und Grenzen, stärken wir unser eigenes Selbstwertgefühl. Und das Selbstwertgefühl der Kinder kann immer nur so stark sein wie das ihrer Eltern. Außerdem bekommen die Kinder dadurch die Erlaubnis, ihre eigenen Bedürfnisse und Grenzen ernst zu nehmen und sie zu zeigen. Und sie lernen von uns, wie das geht.

3. Alle Gefühle deines Kindes sind wichtig

Wir unterscheiden oft zwischen guten und schlechten Gefühlen, also zwischen angenehmen oder unangenehmen. Wenn ein Kind traurig oder frustriert ist, halten wir Erwachsenen das schwer aus und wollen es trösten, damit es so schnell wie möglich wieder fröhlich ist. Doch alle Gefühle sind wichtig und haben ihre Berechtigung! Es stärkt das Selbstwertgefühl eines Kindes sehr, wenn es erlebt, dass es mit all seinen Gefühlen da sein darf. Statt zu sagen: “Das geht gleich wieder vorbei” können wir sagen: “Ich sehe, dass du richtig traurig bist!” Lass dein Kind aber nicht allein mit seinem Kummer, sondern bleibe bei ihm und halte mit ihm zusammen das Gefühl aus. Sind die Kinder etwas älter, kann es sein, dass sie in solchen Situationen alleine sein wollen, das ist dann in Ordnung.

4. Schön, dass du da bist

Zeige deinem Kind mit deinem liebevollen Blick: “Schön, dass du da bist!” Und das nicht nur einmal am Tag! Dadurch fühlt es sich akzeptiert und angenommen. Wenn du in deinem Blick nur Erschöpfung oder Schuldgefühle zeigst, fühlt sich dein Kind für dich verantwortlich und ist verunsichert.

5. Vergleiche – die sicherste Methode, unglücklich zu werden

Nichts kann einen so schnell unglücklich machen wie Vergleiche! Du findest immer ein Kind, dass früher laufen kann, sozialer ist als deins oder sich besser bewegt. Vertraue deinem Kind, dass es seinen Weg gehen wird! Viele Menschen, die etwas Besonderes in ihrem Leben erreicht haben, ware ausgesprochene Spätentwickler!

6. “Du schaffst es nicht alleine!”

Oft helfen wir unseren Kindern, obwohl sie uns nicht darum gebeten haben, weil wir sie unterstützen wollen oder schon ahnen, dass es ohne unsere Hilfe nicht klappt. Das ist “vorauseilende Fürsorge” und signalisiert den Kindern: “Du schaffst es nicht alleine!” Gib deinem Kind Raum, um Dinge selbst auszuprobieren, und halte es aus, dass es auch mal scheitert (das gilt natürlich nicht, wenn Gefahr besteht). Wenn es dann frustriert ist, nimm Anteil an seinem Frust, seiner Wut oder seiner Traurigkeit. Du kannst es in den Arm nehmen, wenn es das zulässt oder ihm nur vorsichtig über den Rücken streicheln, um ihm zu zeigen, dass du da bist.

7. Begegne deinem Kind so authentisch wie möglich

Um ein solides Sebstwertgefühl aufzubauen, braucht dein Kind dich so, wie du bist, mit allem, was zu dir gehört. Das heißt, dass du dich nicht nur mit deiner starken Seite zeigst, sondern auch mit deiner verletzlichen, unsicheren Seite, mit all deinen Gefühlen. Das kannst du üben, indem du erst mal für dich deine Gefühle laut oder leise benennst: „Jetzt bin ich traurig, wütend, unsicher, neugierig, …

8. Vorsicht bei Erwartungen

Kinder wollen ihren Eltern gefallen und tun deswegen alles, um ihre Erwartungen zu erfüllen, selbst wenn sie dabei ihre Grenzen überschreiten, sich verbiegen oder sich Unmögliches abverlangen. Das gilt sowohl für die ausgesprochenen als auch für die unbewussten Erwartungen. Ich hatte mal einen Vater in meiner Praxis, der ganz verzweifelt war über seinen Sohn, da dieser in der Schule heimlich seine Mitschüler malträtierte. Im Gespräch stellte sich heraus, dass der Vater sehr genaue Vorstellungen und Erwartungen an seinen Sohn hatte: an seine Kleidung, seine Frisur, seine Freunde und seine Schulnoten. Der Sohn hatte resigniert, da er nicht in der Lage war, die Erwartungen seines Vaters zu erfüllen. Um den Frust und den Druck auszuhalten, ließ er beides an seinen Mitschülern aus.

Literatur
Dan Svarre, „Du bist einzigartig“, Weinheim und Basel 2013

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