(Wieder) Leichtigkeit ins Leben bringen – Corona brachte und bringt Familien in Krisensituationen: Wie Eltern ihren Kindern bei der Bewältigung helfen

von | 30. November 2021

Interview mit Dorothea Fürst-Liess in der Münsterschen Zeitung (Beilage Moritz Oktober 2021) von Meike Kessler

Zwar haben einige Eltern die akute  Phase des Corona-Lockdowns genossen, vor allem diejenigen, die einen Garten haben, doch für die meisten Familien war (und ist) diese Zeit herausfordernd und beängstigend. „Eltern und Kinder mussten den Verlust an Lebensqualität hinnehmen, gleichzeitig ist die Routine weggebrochen“, sagt Dorothea Fürst Liess. Die Familientherapeutin aus Münster erklärt, wie Eltern mit ihren Kindern diese Krise bewältigen können. Denn: „Die Kinder haben in dieser Zeit mitgearbeitet und verschiedene Bedürfnisse zurückgestellt.“  Dazu zählt das Bedürfnis nach Nähe und Körperkontakt, nach Zusammensein in der Schule oder in der Kita, nach Bewegung und Sport. „Während einer Quarantäne fiel sogar das Bewegen und Spielen im Freien weg.“

Gleichzeitig bauten sich Ängste auf. „Die Kinder hatten Sorge, krank zu werden und andere anzustecken“, zählt Dorothea Fürst-Liess auf. „Es gab aber auch die Sorge, dass sich die Eltern trennen, eigene Zukunftsängste bauten sich auf.“ Neben tatsächlichen oder drohenden Wochen in Quarantäne kamen im Winter das Lüften in den (Klassen-) Räumen sowie das regelmäßige Testen und Maske tragen dazu – bis heute.

Damit die Kinder diese Krise gut bewältigen, sollten Eltern mit ihnen sprechen. „Einladend und detailliert“, führt Dorothea Fürst-Liess aus und nennt Beispiele. „Wenn Eltern mit ihren Kindern über das Erlebte sprechen, können die Kinder den Druck besser verarbeiten.“ Dafür sollten sich Mütter und Väter Zeit nehmen und nach Details fragen.

Zum Beispiel: „Weißt du noch, wie komisch es war,  als wir Oma nur mit Glasscheibe  zwischen uns besuchen duften?“ oder „Wie war das nochmal, als es dich ganz doll unter der Maske gejuckt hat?“

Immer wieder über diese Erlebnisse zu reden, helfe laut der Familientherapeutin den Stress zu verarbeiten. Dabei sollen Eltern nicht fordernd vorgehen. „Mütter und Väter können einen Impuls geben, indem sie von sich und ihren Eindrücken erzählen.“ Wer seinen Kindern die Aufmerksamkeit, den Raum und die Zeit schenkt, über die Erlebnisse und Gefühle zu sprechen, unterstützt sie dabei, diese Krise gut zu verarbeiten.

Das stärkt die Kinder jetzt – 7 Tipps

Nicht nur Corona an sich, sondern auch die Folgen der vom Lockdown geprägten letzten fast eineinhalb Jahre sind noch nicht überstanden. Familientherapeutin Dorothea Fürst-Liess hat sieben Tipps, wie Eltern ihre Kinder jetzt gut stärken können:

  1. Kinder sollten ihre zurückgestellten Bedürfnisse wiederentdecken. Familien können eine Glücksliste erstellen mit Dingen, die ihnen Freude machen und dafür Zeit einplanen. Das kann das gemeinsame Kochen, Singen oder Toben sein.

2. Wichtig ist, dass sich Kinder viel im Freien bewegen, spielerische Kontakte mit Freunden und gemeinsame Unternehmungen mit der Familie haben. Kinder können die Freiheit wiedergewinnen zu toben, ausgelassen zu sein und zu experimentieren.

3. Schöne Rituale wie das Vorlesen am Abend geben Sicherheit und Geborgenheit.

4. Genügend Zeit zum Kuscheln und für liebevolle Berührungen gibt Sicherheit, die Kinder fühlen sich angenommen und in ihrem Körper zu Hause.

5. Viele Kinder überschätzen die Gefahr, an Corona zu erkranken. Eltern sollten sich informieren, wie groß die Gefahr eines schweren Verlaufs tatsächlich ist und das Risiko (auch im Vergleich zu anderen Erkrankungen) realistisch einordnen.

6. Nachrichten abschalten, wenn Kinder mit im Raum (Auto) sind, sie können die Zahlen zu Corona nicht einordnen, das kann sie ängstigen.

7. Wenn es den Eltern gut geht, geht es auch den Kindern gut. Eltern sollten daher eine Glücksliste haben und für innere Balance und Lebensfreude sorgen – das gelingt auch im Alltag.

Warnsignale

Wenn sich ein Kind in seinem Wesen verändert und über zwei oder drei Wochen eines oder mehrere der folgenden Symptome zeigt, sollte man sich an den Kinderarzt wenden:

► Niedergeschlagenheit, Rückzug, keine Kontakte mehr mit Gleichaltrigen   

► Schlafstörungen

► Ängste, besonders vor Kontakten mit Gleichaltrigen oder vor der Schule

Mit freundlicher Genehmigung des Aschendorff Verlages

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