Starke Kinder und Jugendliche – 8 Wege zu mehr Selbstwertgefühl

von | 29. Juni 2021

Interview mit Dorothea Fürst-Liess in der Münsterschen Zeitung (Beilage Moritz Mai 2021) von Meike Kessler

„Das  schaffe  ich schon“ – Sätze wie diese hören Eltern gerne. Offenbaren  sie  doch, dass das Kind eine gute Portion Selbstwertgefühl besitzt.  Dorothea Fürst-Liess  arbeitet als Familientherapeutin in Münster und verrät, wie Erwachsene  dieses  wichtige Eigenempfinden stärken können, damit aus unserem Nachwuchs  glückliche Menschen werden.

Was bedeutet Selbstwertgefühl eigentlich?

Fürst-Liess: Es bedeutet, sich wertvoll zu fühlen, mit allem, was zu einem gehört. Auch mit den „schlechten“ Eigenschaften.

Warum ist Selbstwertgefühl so wichtig?

Fürst-Liess: Menschen mit einem starken Selbstwertgefühl fühlen sich wohl  in  ihrer Haut, nehmen sich selbst an, so wie sie sind, ohne etwas leisten zu müssen. Mit einer guten Portion Selbstwertgefühl geht das Kind entspannter und zufriedener durchs Leben. Es stellt sich bei Konflikten und schwierigen Aufgaben nicht selbst infrage und fürchtet sich nicht, Herausforderungen nicht bewältigen zu können. Mit einem guten Selbstwertgefühl ist das Grundlebensgefühl positiver.

Woher kommt dieses Empfinden?

Fürst-Liess: Das Selbstwertgefühl ist nicht angeboren. Jedes Kind kann also ein starkes Selbstwertgefühl entwickeln. Es ist abhängig von den Erfahrungen, die die Kinder in ihrem sozialen Umfeld machen.

Was können Erwachsene beisteuern?

Fürst-Liess: In jedem Alter können Eltern das Selbstwertgefühl ihrer Kinder aufbauen und stärken. Die Erwachsenen können helfen, in dem sie sie spüren lassen, dass die Kinder ihr Leben bereichern und dass sie wertvoll sind.

Wie kann ich wissen, wie es um das Selbstwertgefühl meines Kindes steht?

Fürst-Liess: Das finden Erwachsene heraus, in dem sie darauf hören, wie die Kinder über sich selbst reden. Sätze wie „Ich bin nie dran“ oder „Ich kann das nicht“ deuten auf ein eher schwaches Selbstwertgefühl hin. „Das schaffe ich schon‘“ und „Jetzt bin ich dran“ deuten auf ein starkes Selbstwertgefühl hin.

Wie können Eltern die Ideen für mehr Selbstwertgefühl umsetzen?

Fürst-Liess: Mütter und Väter können sich zunächst eine oder zwei Ideen heraussuchen und sich für zwei bis drei Wochen darauf konzentrieren, diese umzusetzen. Sind die Wege gut in den Alltag integriert, können Eltern die nächsten Punkte aufnehmen. Bitte seien Sie nicht zu schnell frustriert, wenn es nicht sofort klappt. Die Ausdauer der Eltern wird belohnt, wenn das Kind innerlich wächst und mehr Ruhe und Lebensfreude ausstrahlt. Denn ein gutes Selbstwertgefühl ist das beste Fundament.

8 Ideen für mehr Selbstwertgefühl

1. Schenke deinem Kind Zeit und die volle Aufmerksamkeit

Wenn Eltern sich ihrem Kind zuwenden, dann ganz, da sich sonst die Kinder nicht ernst genommen und unwichtig fühlen. Wenn einmal keine Zeit ist, können Eltern erklären und absprechen, wann wieder Zeit ist.

2. Akzeptiere die Gefühle deines Kindes

Eltern sollten alle Gefühle, auch Wut, Trauer und Furcht akzeptieren. Es stärkt die Kinder, wenn sie mit allen Emotionen da sein dürfen.

3. Goldene Brille aufsetzen

Der Fokus sollte auf den Stärken liegen, dann entwickeln sich die Kinder positiv. Blicken Eltern nur auf Fehler, gibt es schnell Probleme.

4. Keine Hilfe ohne Auftrag

Kinder sind Forscher und wollen sich und alles ausprobieren. Lassen wir ihnen die Erfolgserlebnisse und die Gewissheit, dass es sich lohnt, nicht bei der ersten kleinen Hürde aufzugeben.

5. Keine Vergleiche

Auch nicht mit Geschwistern! Sich mit anderen zu vergleichen ist die sicherste Methode, sich unglücklich zu machen. Auch Kinder fühlen sich im Vergleich immer unterlegen und unzureichend. Jeder Mensch ist einzigartig in seinen Stärken und Schwächen. Ängste und Sorgen, die durch Vergleiche entstehen, spüren die Kinder auch, wenn sie nicht ausgesprochen werden.

6. Achtsame Kommunikation

Worte können verletzen. Eltern sollten darauf achten, wie sie mit ihren Kindern sprechen und sich das bewusst machen. Es ist hilfreich, sich ab und an zu fragen, wie man sich anstelle des Kindes fühlen würde. Sätze wie „Muss ich dir eigentlich alles drei mal sagen“ sollten Eltern vermeiden.

7. Lass dein Kind Grenzen setzen

Auch Kinder haben ein Recht auf Privatsphäre. Gesteht man ihnen diese zu, lernen sie, dass sie sich nicht alles gefallen lassen müssen und können später leichter „nein“ sagen.

8. Werde dir deiner eigenen Grenzen bewusst und stehe für sie ein

Auch Eltern sollten ihre Bedürfnisse und Grenzen wahrnehmen, für sie einstehen, und kommunizieren. Das stärkt das eigene Selbstwertgefühl und die Kinder lernen gleichzeitig von uns, wie man das macht.

Mit freundlicher Genehmigung des Aschendorff Verlages

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