Was bringt eigentlich Achtsamkeit?

von | 16. Jul 2020

Wir alle wünschen uns ein Leben, das gut und erfüllend ist: eine glückliche Familie, einen erfüllenden und gut bezahlten Job, Lebensfreude, einen reibungslosen Alltag, eine ausgewogene Work-Life-Balance. Und wenn alles nicht so glatt läuft, wie wir es uns wünschen, lenken wir uns ab und versuchen, unsere unzufriedenen und traurigen Gefühle nicht fühlen zu müssen.

Seit einigen Monaten gerät unser Leben ins Wanken. Die Ablenkungen, die schon vor Corona nicht klappten, gelingen jetzt noch weniger.

Der einzige Weg, der meiner Erfahrung nach hier funktioniert, ist der Richtungswechsel nach innen. Das heißt anhalten, innehalten, nichts tun, wahrnehmen, was sich zeigt, achtsam mit sich im Kontakt sein. Man kann das Meditation, innere Arbeit oder Achtsamkeit nennen. Mir persönlich gefällt der Begriff Achtsamkeit am besten.

Achtsamkeit hat eine lange Tradition und entstammt ursprünglich der buddhistischen Lehre. Achtsamkeit bezeichnet die Fähigkeit von Menschen, aufmerksam im Moment zu sein. Also die eigene Aufmerksamkeit bewusst zu steuern und auf den gegenwärtigen Augenblick zu richten, verbunden mit einer achtsamen, vorurteilslosen und mitfühlenden Haltung. Es geht um die Fähigkeit, mit sich selbst im Einklang zu sein und das eigene Zentrum zu spüren, um von dort aus in echten Kontakt mit anderen Menschen zu treten. Durch Achtsamkeitsübungen lernen wir, über den Körper die Emotionen zu regulieren und die eigenen Denk- und Gefühlsmuster wahrzunehmen.

Mit Hilfe von Achtsamkeitsübungen können wir die immer komplexer werdenden Herausforderungen unseres Alltags besser meistern. Sie sind ein wirksames Gegenmittel gegen Stress und das hohe Tempo unseres beruflichen und privaten Lebens. Die positiven Wirkungen sind mittlerweile gut belegt: Achtsamkeitsübungen fördern die Gesundheit, das körperliche und seelische Wohlbefinden und die geistige Leistungsfähigkeit.

Praktizieren wir Achtsamkeitsübungen, kommen wir früher oder später an unsere Baustellen. Wir alle haben in unserer Kindheit Überlebensstrategien entwickelt, die uns damals geschützt haben, die in unseren heutigen Beziehungen jedoch kontraproduktiv sind. Diesen Mustern kommen wir auf die Spur – nicht durch grübeln oder nachdenken, sondern durch wache Präsenz im gegenwärtigen Augenblick.

Bewusst im gegenwärtigen Augenblick zu sein, hört sich einfach an. Versuche es mal: Schließe für eine Minute die Augen und nimm bewusst deinen Körper und die Geräusche in der Umgebung wahr. Was hast du wahrgenommen? Bist du mit deinen Gedanken abgeschweift? War es angenehm oder unangenehm?

Innere Arbeit bedeutet nicht, sich stundenlang im Schneidersitz hinzusetzen und Om zu sagen. Es reichen 15 Minuten am Tag, die man sich auch mit Kindern und Homeoffice einrichten kann.

Am besten funktioniert es, wenn du dir eine bestimmte Tageszeit dafür einplanst, z.B. gleich nach dem Aufstehen und einen Ort wählst, an dem du ungestört bist und an dem du dich wohlfühlst. Du brauchst kein Meditationskissen dafür, ein Stuhl tut es auch. Im Liegen besteht die Gefahr, dass man schnell wieder einschläft.

Ein guter Start für die innere Arbeit ist es, sich einen Meditations-Timer als App zu installieren und die Intervalle auf vier mal drei Minuten einzustellen. Dann kannst du dich jeweils für drei Minuten auf den Körper, den Atem, das Herz (Gefühle) und die Gedanken konzentrieren und diese beobachten, ohne zu werten oder etwas zu verändern. Am Anfang wirst du wahrscheinlich mit deinen Gedanken oft abdriften, aber das macht nichts. Wenn du das bemerkst, lasse den Gedanken wie eine Wolke am Himmel weiterziehen und komme wieder in die Beobachter-Position. Es kann sein, dass du dich unruhig fühlst, dass du dich bewegen möchtest, müde wirst oder dass etwas im Körper zwickt. Versuche, in der Beobachter-Position zu bleiben und nicht zu reagieren, auch wenn es unangenehm ist. Nach einigen Wochen wirst du merken, dass du dich veränderst – du wirst ruhiger und freundlicher mit dir selbst.

Achtsamkeitsübungen begleiten mich schon lange und ich möchte sie nicht mehr missen. Ich versuche es, sie  regelmäßig zu machen. An den Tagen, an denen mir das gelingt, fühle ich mich mit mir verbunden und bin zufriedener, ausgeglichener und präsenter.

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